16. Nirars "Zoo"

Nein, Morgana war nicht mehr alleine. Sie war umzingelt; sie konnte die Anwesenheit ihrer Feinde spüren, auch, wenn sie niemanden sehen konnte. Morgana knirschte mit den Zähnen. Also war es wohl doch eine Falle gewesen? Ihrem Gefühl nach zu urteilen, waren es weitere Söldner, die sie umzingelt hatten, und im Grunde wäre es ein leichtes für sie gewesen, diese mit Hilfe ihrer Magie hier und jetzt sofort auszuschalten. Doch irgendwas sagte ihr, dass dies ein Fehler gewesen wäre. Ein neuer Plan reifte in ihr, und auch, wenn sie wusste, dass dies ein gewisses Risiko mit sich brachte, entschloss sie sich, diesen durchzuführen.

Sie würde sich gefangen nehmen lassen. Wenn diese Söldner den selben Auftrag hatten wie Lassar, dann würden sie sie nicht töten. Vermutlich wäre sie bereits tot, wenn dies ihr Auftrag sein sollte.
Morgana stand da ohne sich zu bewegen und harrte der Dinge, die da kommen würden. Und schließlich war es soweit. Sie sah die Männer, die auf sie zukamen. Mit Waffen, die sie mit Leichtigkeit hätte entfernen können. Morgana lächelte. “Ihr seid auf der Jagd, nicht wahr?” fragte sie mit leiser und doch gefährlich klarer Stimme und blickte den Söldnern tief in die Augen: “Ihr habt gefunden, nach wem Ihr gesucht habt.. Und ich werde es Euch leicht machen, führt mich zu Eurem Herrn! Ich möchte ihn sehen!”

Die Männer antworteten Morgana nicht. Es war beinahe so, als wüssten sie nicht, was sie mit ihr anfangen sollten. Die Söldner hatten die Frau erkannt. Und sie wussten, dass ihr Herr in der Tat nach ihr suchen ließ. Sie alle suchten nach ihr, und nun war sie hier einfach so aufgetaucht? Sie wussten, dass ihr Herr zwar Informationen über sie erhalten wollte, aber sie wussten nicht, wozu er diese brauchte. Alles, was er ihnen noch mitgeteilt hatte war, die Magierin auf keinen Fall zu ihm zu bringen! Und nun tauchte diese hier auf und erwartete von ihnen, sie zu ihm zu führen? Dies konnten sie auf keinen Fall tun. Aber sie entschlossen sich dazu, etwas anderes zu tun. Einer der Söldner nickte Morgana zu und zeigte ihr, ihm zu folgen. Morgana ließ es sich nicht zweimal sagen. Als sie sich in Bewegung setzten, spürte sie, dass ihr die Söldner folgten und sie konnte sich eines gewissen unangenehmen Gefühls nicht erwehren. Wer oder was auch immer dieser Nirar war und was er auch immer vorhatte, nun würde sie es erfahren…

Doch leider hatte sich Morgana getäuscht. Dies merkte sie sehr schnell, als sie sich langsam des Gebäudes näherten, das Morgana vorher bereits in Augenschein genommen hatte. Das Gebäude, das sie mehr an ein Gefängnis erinnert hatte als an etwas anderes. Und je näher sie diesem kamen, desto stärker läuteten ihre inneren Alarmglocken. Das hier lief ganz und gar nicht nach Plan…
“Wohin bringt Ihr mich?” fragte sie schließlich, und wieder versuchte sie, ihre Stimme hart klingen zu lassen, doch dieses Mal funktionierte es nicht ganz. Sie zitterte ein wenig und das ärgerte sie.

Die Söldner antworteten ihr nicht. Sie liefen weiter und dann waren sie an dem Gebäude angekommen: Ein viereckiger, riesiger Kasten, der Morgana schon von außen extrem unangenehm ins Auge stach. “Ich will zu Nirar! Und ich hoffe, dass Ihr mich nicht hintergeht, das könnte Euch sehr, sehr schlecht ergehen!” versuchte sie es erneut. Doch auch dieses Mal reagierten die Söldner nicht. Sie öffneten die Tür und schließlich hörte sie die Stimme eines der Männer vor ihr, der ihr antwortete: “Nirar erwartet Euch! - Tretet ein”.

Morgana ahnte, dass dies nicht der Wahrheit entsprach. Etwas sagte ihr, dass da etwas ganz und gar nicht stimmte, doch schließlich entschloss sie sich, doch der Aufforderung des Söldners nachzukommen. Es wäre ihr ein leichtes gewesen, sie alle mit einem Zauberspruch zu vernichten, doch eventuell würde sie dann niemals mit Nirar in Kontakt treten und heraus finden, was hier überhaupt los war. Und das wollte sie. Mehr als alles andere. Zudem sie davon überzeugt war, dass Nirar ihr in irgendeiner Form noch hilfreich sein könnte; wie auch immer… Also tat sie, wie ihr geheißen wurde und betrat das “Schloss” - oder was auch immer es war -
und merkte sofort, dass es ein Fehler gewesen war.
Morgana umgab Schwärze. Hinter ihr fiel eine Tür ins Schloss und sie wusste instinktiv, dass sie gefangen war.

Dies hier war kein Schloss, es war in der Tat ein Gefängnis, wie sie es bereits geahnt, sich aber nicht wirklich hatte eingestehen wollen. Sie fluchte. Morgana versuchte, mit Hilfe ihrer Magie Licht zu machen, doch es funktionierte nicht! Mit Schrecken registrierte sie, dass es ihr nicht möglich war, ein kleines Fünkchen Helligkeit zu erzeugen. Weder aus ihren Händen noch sonst irgendwie. Morgana keuchte. Wo war sie hier gelandet? Dann plötzlich spürte sie, dass sich etwas um sie herum aufgebaut hatte; eine Art magische Barriere… Sie konnte es spüren. Und dann wurde es langsam ein wenig heller um sie herum. Nicht allzu hell, doch gerade noch so, dass sie sehen konnte, wer, beziehungsweise was da um sie herum aufgebaut war: Käfige. Um sie herum waren überall magische Käfige und in diesen waren alle möglichen magischen Wesen gefangen: Ein Einhorn, ein schwarzer Pegasus, Gnome, Trolle, sogar ein Riese. Und um all die Käfige herum bemerkte Morgana ein leicht bläuliches Schimmern. Auch um ihren. Es war die Barriere, die aufgebaut worden war, um die Magie zu verhindern. Keines der magischen Wesen war in der Lage, auch nur ein klitzekleines Fünkchen seiner Magie anzuwenden - auch Morgana nicht.

Fluchend stand Morgana im Käfig und wusste nicht, über wen sie sich mehr ärgern sollte: Über diesen wahnsinnigen Nirar, der es gewagt hatte, sie gefangen zu nehmen, oder sich selbst, da sie sich hatte hereinlegen lassen. Und dann registrierte sie noch etwas: Langsam hob Morgana den Kopf und sah eine Kugel in der Mitte des Raumes an der Decke schweben. Sie wusste, was das war: Ein Spion. Sie wurde beobachtet. Und sie ahnte, von wem: Es konnte nur Nirar sein. Wer auch immer dieser Nirar war; er nahm alle möglichen magischen Wesen gefangen, entzog ihnen ihre magischen Fähigkeiten und beobachtete sie dann…
Doch nicht mir ihr! Sie würde ihn noch dazu kriegen, sich eingängiger mit ihr zu beschäftigen! Und es würde ihm noch leid tun, auch ihr - der mächtigsten Magierin Camelots - die Kräfte geraubt zu haben. Ja, in Morgana brodelte es. Und es reifte ein Plan in ihr, wie sie sich doch noch Gehör bei diesem Nirar verschaffen und ihre Kräfte zurück erhalten konnte…

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Christal, 31
Traumland